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Blog-Spezial Teil 1/3

Die angehende Sport- und Ernährungswissenschaftlerin Caroline Hess hat im Rahmen eines Forschungsprojektes unseren sportlichen Leiter Tim Rühle getroffen und ihn zu seinem Lebenswandel hin zu einem Langdistanz-Triathleten befragt.

Den Schwerpunkt ihres Interviews legte die Lauf- und Marathon-Trainerin Hess auf das Thema „Alltagsernährung“ und „Wettkampfernährung“. Taucht ein in die ernährungswissenschaftliche Welt von Tim und zieht für euch die individuell umsetzbaren Dinge heraus.

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Euer ARAMIS Sportwelt Team

Caroline (C): Hallo, Tim! Vielen Dank, dass du dir Zeit für unser Interview genommen hast. In unserem Vorgespräch hast du mir ja bereits ein wenig über dich erzählen können. Wollen wir also direkt in die Vollen gehen und einsteigen!? Du hast Politikwissenschaften und Öffentliches Recht studiert und bist nun sportlicher Leiter der ARAMIS Sportwelt. Wie hast du dir das Wissen über Sport und Ernährung angeeignet, das dich für diese Aufgabe befähigt?   

Tim (T): Hallo Caro! Sehr gerne. Es freut mich immer, über meine Leidenschaft sprechen und mein Wissen und meine Erfahrungen teilen zu dürfen! Alles was ich über Sport und Ernährung weiß, habe ich in Studien gelesen, mir auf dem zweiten Bildungsweg angeeignet und durch meine Recherchen und Erfahrungen vertieft. Zudem habe ich viel selbst experimentiert.Seit diesem Jahr esse ich zum Beispiel kein Fleisch mehr. Fisch ja, aber kein Fleisch. Bislang merke ich eigentlich gar nicht so viel von der Umstellung. Zuerst hab ich gedacht „Okay, es könnte dir vielleicht am Anfang irgendwas fehlen oder ein Mangel auftreten“. Aber es ist jetzt weder körperlich noch psychisch mit negativen Folgen verbunden und ich lebe sehr gut mit der Entscheidung, dieses Selbstexperiment bis Ende des Jahres durchzuziehen.

C: Aus welchem Grund isst du kein Fleisch mehr?

T: Neugierde und auch irgendwo der Geldbeutel, denn Eines ist klar: Wenn ich Fleisch kaufe, soll es auch beste Qualität sein. Ich will nicht irgendeinen Ramsch essen. Allgemein gebe ich gerne gutes Geld für gute Lebensmittel aus – doch aktuell geht es für mich auch ohne Fleisch. Ich merke bislang nicht, dass mir irgendwas fehlen würde. Solange ich den Fisch noch habe. Also esse ich aktuell etwas mehr Fisch als vorher, aber auch viel Käse, Eier und Hülsenfrüchte – und so komme ich super klar. In der Küche fehlt mir die Abwechslung definitiv nicht. Also alles gut!

C: Kochst du dein Essen jeden Tag frisch?

T: Ja, denn nur dann weiß ich, was drin ist und klar: Es ist definitiv auch ein Hobby! Das ist mitunter die Stunde am Tag, in der ich so wirklich abschalten kann und nicht über irgendwelchen Kram, die Arbeit oder sonst was nachdenke. Ich glaube behaupten zu können, dass ich mittlerweile auch ganz gut kochen kann.  

C: Seit wann betreibst du Leistungssport?

T: Ja gut Leistungssport – wann wirst du vom Breiten- zum Leistungssportler?! Das ist ja mehr oder weniger ein fließender Übergang, würde ich jetzt sagen. Meinen ersten Halbmarathon bin ich 2011 gelaufen. Das ist dann nach und nach immer mehr geworden. Begonnen hat alles mit dem Fußball. Als ich dann anfing zu studieren, habe ich dies aufgrund meines Umzugs aufgeben müssen. In Erlangen, meinem Studienort, wollte ich dann nicht so wirklich kicken.  Das hätte mir die Möglichkeit genommen, ab und an nach Hause zu fahren. In der Zeit habe ich dann zum Laufen gefunden. Das habe ich einige Jahre gemacht. Ich bin in der Natur gelaufen und war im Fitnessstudio. Dann wurde mir das reine Laufen irgendwann zu öde und dann bin ich zum Triathlon gekommen und habe 2015 meine erste Olympische Distanz gemacht. Ja und mittlerweile habe ich drei Ironman-Langdistanzen hinter mir.                                                                               

C: Hast Du dir das alles selbst antrainiert oder bist du über den Verein zum Ironman gekommen?

T: Also erstmal war‘s eigentlich eigenes Training mit eigenen Plänen oder auch mal mit Vorschlägen aus einer Fachzeitschrift. Dann habe ich entschieden, dass ich beim Ironman in Hamburg starten möchte und mir einen Trainer genommen, der mir Trainingspläne schreibt. Ich habe mich dann intensiver mit meinem Sport auseinandergesetzt und auch finanziellen Einsatz gebracht, um mein Ziel zu erreichen. Ab da an wollte ich dann meine Trainingssteuerung nicht mehr auf eigene Faust machen Diese Planungen sind dann doch nochmal was anderes, als wenn du es für dich selbst steuern sollst. Irgendwo bist du dann doch an der einen oder anderen Stelle bequem oder übertreibst es vielleicht auch. Von daher wollte ich da schon die externe Expertise haben, wenn ich so ein Projekt angehe. Diese habe ich mir dann auch genommen und es hat ganz gut funktioniert.

C: Wie sieht ein regulärer Trainingstag bei dir aus?

T: Meistens eine längere oder zwei Einheiten, vor und/oder nach der Arbeit. Heute wird beispielweise Kraft trainiert und später gehe ich noch aufs Rad. Im ARAMIS nutze ich die Mittagspause immer fürs Krafttraining und mache somit noch vor dem Feierabend was. Insgesamt denke ich, pendelt es sich durchschnittlich so auf die 15 Stunden pro Woche ein. Heute werden es roundabout drei bis dreieinhalb Stunden – wobei diese Woche auch recht voll war. Da werden es wahrscheinlich auch bisschen mehr als 15 Stunden sein. Hier an meiner Arbeitsstelle bin ich in einer glücklichen Position. Ich kann mein Beruf und mein Hobby und meine Leidenschaft enorm gut verbinden und so kam ich mehr oder weniger auch auf das Berufsfeld. Ich kann mich den ganzen Tag nur mit Sport beschäftigen. Es gibt eigentlich nichts Schöneres.

C: Gibst du deine Erkenntnisse und Erfahrungen an deine Kunden im Fitnessstudio weiter?

T: Ja klar! Logisch kann ich das weitergeben und versuchen etwas vorzuleben. Viele unserer Mitglieder stehen ganz am Anfang und hatten mit Bewegung, Sport und Ernährung wirklich gar nichts am Hut. Auch diesen muss man irgendwo Anregungen mit auf den Weg geben – ganz runtergebrochen vom Leistungssportler auf einen wirklichen Freizeit-, Hobby- oder Gesundheitssportler.

C: Welche Faktoren sind für dich ausschlaggebend, um vom Leistungssport zu sprechen?

T: Ehrlich gesagt habe ich mir darüber so noch keine Gedanken gemacht. Ich glaube, es hat schon auch mit den Prioritäten zu tun, also der Frage: „Wie hoch wertest du deinen eigenen Sport und wieviel bist du bereit dafür zu geben und auch zu opfern?“ Schließlich könnte ich auch eine Menge guter Bücher in der Zeit gelesen haben, in der ich trainieren war, oder keine Ahnung… – es gibt ja viele Alternativen zum Sport und zum Training.

Ich habe mich bewusst für den Weg entschieden und das ja auch aus gutem Grund – weil es mir einfach unglaublich viel Spaß macht und ich gerne draußen und eins mit der Natur bin. Zudem macht es schon auch Bock, meine eigenen Grenzen zu testen. Es ist schon auch so eine Art höher, schneller, weiter in mir drin. Da stelle ich mich schon auch jeden Tag vor so eine Art „kleine Prüfung“. Selbstverständlich gibt es auch Tage, an denen ich weniger Lust habe rauszugehen um zu trainieren, aber ich fühle mich gut, wenn ich es getan habe. Ich mache meinen Sport unglaublich gerne und das hat aktuell vielleicht das Maß angenommen, wo andere sagen: „Mensch, du bist ein Leistungssportler!“ Es stellt sich ja auch die Frage: „Wenn jemand eine Langdistanz ins Ziel bringt… ist das automatisch ein Leistungssportler oder ist es einfach ein Breitensportler, der sich quälen kann?“

Von daher, ich weiß auch nicht, ob es eine klare Definition von Leistungssport gibt. Ich glaube es muss jeder für sich selbst bestimmen. Ich würde mich einfach als leidenschaftlichen Sportler bezeichnen, der dem Sport enorm viel Raum in seinem Leben gibt und das auch ganzheitlich angehen will. Von daher denke ich schon auch, dass der Faktor „Ernährung“ in mein Leben kam, als der Faktor „Sport“ mehr Raum in ihm eingenommen hat.

C: Also hast du dich dadurch dann auch vermehrt mit dem Thema Ernährung auseinandergesetzt?

T: Definitiv! Ich würde nicht sagen, dass ich in der Zeit als Fußballer großen Wert auf gute Ernährung gelegt habe. Es war mir im wahrsten Sinne des Wortes irgendwo Wurst. Als es anfing, mit dem Sport intensiver zu werden, habe ich mich auch mit der entsprechenden Ernährung auseinandergesetzt. Hier war der Ansatz: Wenn ich schon so viel Zeit investiere, will ich auch schauen, dass ich weiß, was mein Körper braucht, dass ich weiß wie ich schnell regeneriere oder schnellstmöglich regeneriere und dass ich weiß, wie ich dabei gesund bleibe. Ich glaube ich kann mich nicht dran erinnern, dass ich die letzten vier oder fünf Jahre mal länger als eine Woche krank gewesen bin. Klar einen Schnupfen oder so hat man immer mal, aber dass ich jetzt mal so richtig flach gelegen bin, war eigentlich nie der Fall.

Nächste Woche geht es mit der zweiten Teil des Interviews weiter und Tim gewährt tieferen Einblicke in sein Training, verschiedene ernährungswissenschaftliche „Selbstversuche“ und berschreibt seinen Weg zum „Ironman“.

Bis dahin bleibt gesund und munter!

Euer ARAMIS Sportwelt-Team!

Veröffentlicht am 18. Oktober 2019