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Best Practice im Studio: Kreuzheben Teil 2

Nur wenige Übungen im Krafttraining beanspruchen so viele Muskeln wie das Kreuzheben. Wenn die Kniebeuge der König der Übungen ist, so ist das Kreuzheben seine Königin.

Im leistungsorientierten Kraft- und Athletiktraining hat sich das Kreuzheben bereits seit Jahrzehnten etabliert und es bildet seit einigen Jahren auch zunehmend häufiger einen Eckpfeiler der Trainingsprogramme von Hobbyathleten und Freizeitsportlern. Kreuzheben beansprucht viele Muskeln gleichzeitig, dabei unter anderem die Gesäßmuskulatur, die Rückenmuskulatur, den vierköpfigen Oberschenkelmuskel, die Zwillingswaden- und Schollenmuskeln und die Stabilisatoren des Schultergürtels. Darüber hinaus werden die Bauchmuskeln zur Stabilisierung der Wirbelsäule und die Unterarmmuskulatur zum Greifen der Stange benötigt.

Grifftechniken

Beim Greifen der Stange gibt es mehrere etablierte Varianten, die alle spezifische Eigenschaften aufweisen und dadurch individuelle Vor- oder Nachteile für den Trainierenden bedeuten können. Die populärsten Grifftechniken sind hierbei Obergriff, Kreuzgriff und Hakengriff.

Der Obergriff ist aufgrund der symmetrischen Schulterposition besonders für Neulinge im Umgang mit Kreuzheben zu empfehlen. Hierbei umschließen beide Hände die Hantelstange so, dass die Knöchel beider Hände nach vorne und die Daumen nach innen zeigen. Diese Variante erleichtert zwar die symmetrische Stabilisierung des Schultergürtels, allerdings ist die Griffkraft beim Obergriff häufig der limitierende Faktor, da die Stange leicht aus den Händen rollen kann.

Beim Kreuzgriff umschließt eine Hand die Stange mit nach vorne gerichteten Knöcheln, während die Knöchel der anderen Hand nach hinten gerichtet sind. Die Daumen beider Hände weisen dabei zur gleichen Seite. Diese Grifftechnik ermöglicht das Halten größerer Lasten ohne Hilfsmittel, da die Abrollrichtungen beider Hände entgegengesetzt verlaufen und somit weniger Griffkraft als beim Obergriff erforderlich ist. Allerdings hat diese Technik den Nachteil, dass die Schultergelenke aufgrund der verschiedenen Handhaltungen asymmetrisch positioniert sind und dadurch höher Anforderungen an die Stabilisierung des Schultergürtels bestehen.

Aus diesem Grund sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass beim Kreuzgriff die Auslage regelmäßig gewechselt wird, um muskuläre Dysbalancen zu vermeiden.

Der Hakengriff kommt ursprünglich aus dem olympischen Gewichtheben und ist außerhalb dieser Sportart eher selten anzutreffen. Hierbei handelt es sich im Grunde genommen um einen Obergriff, bei dem die Daumen beider Hände durch die jeweils anderen Finger beider Hände gegen die Hantelstange gepresst werden, um so das Abrollen der Hantelstange aus der Hand zu verhindern. Dadurch können trotz symmetrischer Haltung des Schultergürtels größere Lasten festgehalten werden. Allerdings empfinden viele Sportler diese Grifftechnik auch ohne bereits vorgeschädigte Daumen schon als unangenehm oder sogar schmerzhaft.

Bei allen Griffvarianten ist immer darauf zu achten, dass ein „Einrunden“ des oberen Rückens verhindert wird. „Gerader Rücken“ ist hier die Devise!

Rumpfstabilisierung

Beim Kreuzheben sind sowohl die korrekte Bewegungstechnik im Training als auch die maximal realisierbare Last im Wettkampf maßgeblich von der Fähigkeit abhängig, den eigenen Rumpf zu stabilisieren (angespannte Bauchmuskulatur), um eine optimale Kraftübertragung bei minimiertem Verletzungsrisiko zu gewährleisten. Um diese Stabilisierung auch beim Überwinden höherer Lasten aufrechtzuerhalten, führen viele Athleten bewusst oder unbewusst das sogenannte Valsalva-Manöver aus. Hierbei presst man die eingeatmete Luft gegen den geschlossenen Kehldeckel, wodurch sich der intraabdominelle Druck stark erhöht und zusammen mit der Kontraktion der Rumpfmuskulatur für eine Stabilisierung der Wirbelsäule sorgt. Wegen dieses Pressvorgangs ist diese im Kraftsport häufig angewendete Atemtechnik auch unter der Bezeichnung „Pressatmung“ bekannt. Zur Unterstützung dieses Effekts verwenden Kraftsportler häufig spezielle Gürtel, die als externer Widerstand für die Rumpfmuskulatur dienen und dadurch den erzeugten Druck während des Valsalva-Manövers besser nach innen lenken können. Im gleichen Atemzug wird hierbei oftmals der daraus resultierende Blutdruckanstieg genannt, weshalb Personen mit bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen von dieser Technik Abstand nehmen sollten. Bei gesunden Personen konnten die postulierten Gesundheitsrisiken aber ebenso wenig nachgewiesen werden wie die angeblich erhöhte Verletzungsgefahr beim Kreuzheben.

Fazit

Wie die aktuelle Studienlage erkennen lässt, gibt es keinen empirischen Beleg für die häufig thematisierten Verletzungsgefahren und Gesundheitsrisiken bei der Übung Kreuzheben. Die Angst davor, diese Ganzkörperübung in das eigene Training zu integrieren, ist bei technisch korrekter Ausführung unbegründet. Unser Blog hat euch die grundlegenden Aspekte der Bewegungstechnik des Kreuzhebens aufgezeigt, auf deren Grundlage ihr eure Übung in unserem Studio ausführen solltet.

Habt ihr zusätzlich Fragen oder seid ihr noch unsicher?

Sprecht uns gerne jederzeit darauf an!

Euer ARAMIS Fitness Team

Veröffentlicht am 18. März 2019