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„Wer rastet, der rostet“

Bewegung und Sport aus hausärztlicher Sicht

„Alle Teile des Körpers, die eine Funktion haben, werden gesund, wohl entwickelt und altern langsamer, sofern sie mit Maß gebraucht und in Arbeiten geübt werden, an die man gewohnt ist. Wenn sie aber nicht benutzt werden und träge sind, neigen sie zu Krankheit, wachsen fehlerhaft und altern schnell“ (Hippokrates, ca. 400 v. Chr.).

Wie dieses Zitat von Hippokrates zeigt, sind die positiven Auswirkungen von Bewegung auf die Gesundheit schon seit langem bekannt. Auch wissenschaftliche Studien aus unserer Zeit konnten zeigen, dass die Lebenserwartung durch regelmäßige sportliche Aktivität gesteigert werden kann. Bewegungsarmut ist ein unabhängiger Risikofaktor genauso wie Rauchen, hoher Blutdruck oder hohes Cholesterin. Aber nicht nur die Lebenserwartung steigt durch sportliche Aktivität, ebenso wird  die Lebensqualität positiv beeinflusst. Das Wohlbefinden und das Körpergefühl werden verbessert. Sport wirkt stimmungsaufhellend und steigert die allgemeine Fitness auch im Alltag.

Leider sieht die Realität nicht so aus, wie es im Hinblick auf die Gesundheit der Bevölkerung wünschenswert  wäre. 80% der Deutschen wollen mehr Sport treiben. Doch nur 15% trainieren pro Woche wenigstens eine Stunde. 25% der Bevölkerung haben überhaupt keine regelmäßige Bewegung.

Auch schon leichte Bewegung hat positive Auswirkungen, aber der Effekt auf die Lebenserwartung  steigt mit dem Kalorienverbrauch. Das Optimum liegt bei ca. 3500 Kalorien/Woche. Das beste Verhältnis von Aufwand und Wirkung liegt bei ca. 2000 Kalorien/Woche. Das entspricht ca. 3 Stunden Sport/Woche, wenn man ein moderates Kraft-Ausdauertraining zugrunde legt.

Aus medizinischer Sicht hat regelmäßige sportliche Aktivität eine Fülle wünschenswerter positiver Auswirkungen: das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen wird reduziert, der Blutdruck und der Fettstoffwechsel werden positiv beeinflusst, Übergewicht wird reduziert, der Zuckerstoffwechsel bei Diabetikern wird ebenso verbessert wie eine bestehende Osteoporose, selbst das Risiko für Dickdarmkrebs wird vermindert und Depressionen nehmen ab.

Optimal wäre ein regelmäßig durchgeführtes moderates Kraft-Ausdauertraining. Für einen Beginn mit sportlichem Training ist es dabei nie zu spät. Die positiven Effekte, auch auf die Lebenserwartung, kommen selbst dann zum Tragen, wenn man erst später im Leben mit dem Sport beginnt.

Chronische Krankheiten sind kein Hinderungsgrund für sportliche Aktivität. Im Gegenteil, bei den meisten chronischen Krankheiten gehört Sport mit zur Therapie. Dies gilt natürlich für die Volkskrankheiten Bluthochdruck und Diabetes mellitus. Aber auch bei degenerativen Gelenkerkrankungen und Osteoporose sollte ein regelmäßiges Bewegungstraining durchgeführt werden. Und selbst Patienten mit Herzschwäche profitieren von sportlicher Bewegung. Jedoch sollte allen chronisch kranken Patienten vor der Aufnahme eines sportlichen Trainings geraten werden, mit ihrem behandelnden Arzt über etwaige Risiken und Einschränkungen zu sprechen.

Dr. med. Matthias Hartmann, Facharzt für Allgemeinmedizin

Lichtensteinstr. 2, 72108 Rottenburg-Seebronn

Veröffentlicht am 20. August 2015